Abbau von Herrschaft und Hierarchien

Contributo ai mélanges festifs in occasione dei 20 anni del FRI (link alla brochure)

Die Visionen des FRI

Visionen sind eine geschlechtergerechte Welt, die Freiheit der Lebensgestaltung ohne einengende, auf die geschlechtliche und sexuelle Identität bezogene Normen, und der Abbau von Herrschaft und Hierarchien.“ So steht es auf unserer Webseite (genderlaw.ch -> Institut).

Geschlechterdiskriminierung und Hierarchien

Ist Androzentrismus Voraussetzung für alle übrigen Ungleichheiten, oder würde in einer herrschaftsfreien Gesellschaft Frauendiskriminierung als „Nebenwiderspruch“  automatisch wegfallen? Darüber herrscht kaum Einigkeit – genauso wenig wie darüber, ob zuerst das Huhn oder das Ei da war.
Klar ist, dass ein enger Zusammenhang zwischen Hierarchie – und damit verbunden Herrschaft und Dominanz – und Diskriminierung besteht.
Ist Androzentrismus die Basis von Ungleichheit, Diskrimination und Hierarchie, handeln wir androzentrisch, wenn wir Hierarchien wie zum Beispiel diejenige zwischen der Arbeit einer Putzfrau und derjenigen einer Anwältin akzeptieren. Wir perpetuieren damit unsere eigene Ungleichheit und Diskriminierung, egal ob wir die Putzfrau oder die Anwältin sind.
Wenn andererseits Geschlechterdiskriminierung Konsequenz einer auf der Aneignung des gesellschaftlich erarbeiteten Produkts durch Einzelne basierenden  Gesellschaftsorganisation bzw. überhaupt einer hierarchisch organisierten Gesellschaft ist, dann gehen wir unsere eigene Unterdrückung nicht an den Wurzeln an, solange wir die Frage nach einer gerechteren und herrschaftsfreien Gesellschaft beiseite lassen.

Rechts als Herrschaftsintrument

Recht klassifiziert, ordnet und wertet. Klassifikation ist Voraussetzung dafür, dass Hierarchie überhaupt denkbar und somit herstellbar wird. Das zeigt sich schon in alltäglichen Bereichen wie beim Zivilstand – ledig, verheiratet, verwitwet, geschieden, unverheiratet, in eingetragener Partnerschaft, in aufgelöster Partnerschaft – oder wenn wir als Arbeitnehmerin diejenige Person bezeichnen, die Arbeit leistet und als Arbeitgeber, wer sie entgegennimmt und dafür bezahlt. Auch Lohnklassen in öffentlichen Verwaltungen oder die Frage, wie eine Organisation strukturiert ist und wer von wem gewählt beziehungsweise eingestellt werden darf, geben ein deutliches Bild über die Wertung des Beitrages, den Personen leisten und über die Bedeutung, die ihnen zugeschrieben wird.
Recht ist Instrument von Herrschaft, auch wenn wir es manchmal zu deren Begrenzung nutzbar machen können. Gerade auch als Juristinnen sind wir daran beteiligt, meist ohne uns dessen wirklich bewusst zu sein.

Die Frage nach Hierarchie im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang stellen

Ich wünsche mir daher, dass das FRI die Geschlechterungleichheiten vermehrt in einem breiteren gesellschaftlichen Zusammenhang diskutiert, der weit über die Geschlechterfrage – die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern – hinausreicht, und seine Visionen in Richtung herrschaftsfreier Welt vor Augen behält. Die Ansätze dazu sind zahlreich. Das FRI hat es im Blut – so hat der Verein keine Präsidentin und die Mitglieder des groupe moteur keine fixen Rollen – die Mitarbeit erfolgt in selbstverantwortlicher
Zusammenarbeit.

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